Condé und Condé
Familienforschung

Kleine Dünnwalder
Chronik
von Lehrer Josef Winter (1927)

Nach Annalen des Geschichtsschreibers Hugo überwies 1117 ein frommer Mann mit dem Namen Heidenreich ein Teil seines Erbes, sein Haus am Dünnwalde nebst 15 Morgen Landes, Gott, dem Herrn. Er stellte die Bedingung, daß darauf ein Kloster und eine Kirche errichtet werden sollten. Er begann 1118 den Bau der Kirche. Die ersten Klosterbewohner haben denselben fertiggestellt. 1143 wurden Klosterfrauen des Prämonstratenserordens von Steinfeld nach Dünnwald gesandt. Hier wirkten die Schwestern unter Leitung einer magistra und eines Priors 500 Jahre lang, von 1143 bis 1643. Die Zielsetzung und Arbeit der Jungfrauen stellten sich auf die Gewinnung von Wald und Rottland ein, auf Abringen der Wildnis für das Leben. Die durch Rodung erworbene und die durch reichlich fließende Vermächtnisse erhaltenen Güter gewährten den Klosterbewohner den Unterhalt. Die Größe des Areals wuchs im 15. Jahrhundert auf 4000 Morgen. Der Besitz lag größenteils in Dünnwald, dann aber auch in der näheren und entfernten Umgebung. Weit ab vom Konvent lagen Güter in Obermendig, Remagen, Niederhammerstein, Unkelbach und Bonn. Die Verwaltung der gewaltigen Besitzungen und die Bearbeitung der Güter waren wie folgt: Die oberste Leitung in allen Fragen behielt sich der Abt von Steinfeld vor. Die Nonnen wählen die Meisterin, der die Leitung des Klostergebäudes unterstand. Die Seelsorge und die Verwaltung des Vermögens lagen in der Hand eines Priors. Die Innenarbeit besorgten die Schwestern. Die Priorin, die Kellnerin, die Küsterin, die Schaffnerin, die Siechmeisterin u.a. Laienschwestern niederen Standes besorgten die Geschäfte, welche den zum Chor berechtigten Nonnen nicht ziemten. Die Außenarbeit, zur Hauptsache die Bewirtschaftung der Ländereien, führten Brüder aus. Ihre Arbeiten waren mustergültig und bahnbrechend, wohl nicht zuletzt aus dem Grunde, weil sie aus ihren Schwesternhäusern, die teils im Auslande lagen, reiche Erfahrungen, neue Antriebe und Mittel zur Verbesserung der Landwirtschaft, des Obstbaues und der Fischzucht zur Verfügung hatten. Was das Kloster selbst nicht in Verwaltung hatte, überließ es zu Zins Pächtern. 500 Jahre lang führte der Konvent auf diesem Gebiete. Unweit höher anzuschlagen ist sein Verdienst als Führer in der geistigen und religiös-sittlichen Bildung. Die priesterliche Tätigkeit aber war die tiefste und wirksamste Grundlage der Beziehung zwischen der Genossenschaft und dem umwohnenden Volke, so namentlich auch durch die ihnen aus den reichen Gütern zu jeder Zeit ermöglichte Armenpflege und Wohltätigkeit. Die hervorragende doppelte Tätigkeit konnte aber nur in Friedensjahren sich recht auswirken. Alles wurde jäh zerstört im dreißigjährigen Kriege. Die Reichtümer des Klosters winkten rohen Kriegshorden als Beute. Die Nonnen waren wüster Unbill ausgesetzt und ihre Zahl nahm rasch ab. 1643 meldet die Urkunde, daß nur noch der Prior, die Priorin und zwei Chorschwestern ihr Dasein hier fristeten. Sie sandten 1643 an den Abt folgendes Schreiben: "Wir, Johan Nesselradt, Prior, Elisabeth von Bawyr, Priorin, Anna Margaretha von Weiß, Margaretha von Virmundt, sämtliche Conventualinnen des Klosters Dünnwaldt, bitten wegen immerwährender Kriegsgefahr dieses Kloster zum männlichen Convent selbigen Ordens zu verändern (oder sonsten) dem Orden zum besten darüber jederzeitig zu verordnen und dergestalt disponieren möge (oder könne) wie es dem Orden am dienlichsten sein würde. Jedoch mit außdrücklichem Vorbehalt unseres Leibs- und Lebens- Nothdurfft (es falle kurz oder lang) aus diesen Klosters Mitteln vor allem proeservieren. So geschehen im Kloster Dünnwaldt den 16. Februarii 1643". - Dem Notruf der Jungfrauen konnte der Abt Albert Horichem sich nicht entziehen; er wandelte das Frauenkloster in ein Priorat um. Es zogen Mönche aus Steinfeld ein, die das Kloster noch rund 150 Jahre lang verwalteten.
Einigen Friedensjahrzehnten folgten wieder lange unglückliche Kriegszeiten, so von 1678 bis 1714, von 1756 bis 1763 und von 1795 bis 1813. Die französische Fremdherrschaft brachte Kloster und Dünnwald die trübsten Jahre und der Genossenschaft sogar die Auflösung. Die Republikaner brachten statt der viel gepriesenen Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit das größte Elend durch Erpressungen, Eintreibungen, Plünderungen, Mißhandlungen und Konskriptionen. 1804 hob der Landsherr, der Kurfürst Max Joseph von Bayern das Kloster auf. Das Bergische Land kam 1806 in französischen Staatsbesitz, da Napoleon selbst das Herzogtum Berg übernahm. Er überließ später seinem Minister Agar die Herrschaft Morsbroich, der dem Klosterbesitz hierorts einverleibt wurde.
Die Klosterkirche wurde Pfarrkirche. Sie, die alle Kriegszeiten unversehrt überstand, hat in der Gemeinde Dünnwald eine dankbare Nachwelt gefunden. Unsere Generation hat die alte Stätte wieder zu dem ihr gebührenden Glanz gebracht. Weit über die Gemeinde findet man regstes Interesse für sie. Kunstkenner erfreuen sich an ihrem Baustil und an den noch vorhandenen wertvollen Gesckenken ihrer Ausschmückung.
Das Äußere der Kirche ist sehr eindrucksvoll und stellt sich dar als eine Basilika des 12. Jahrhunderts mit flacher Decke und einem Turme an der Westseite. Der aufmerksame Beobachter erkennt gleich, daß ihre Entstehung verschiedenen Perioden angehört. Der ältste Teil ist der dem Dorfe zugelegene Ostteil mit dem Chor; sie stammen von 1118. Bald darauf wurde die Kirche nach Westen verlängert; es entstand der Westbau, der ursprünglich mit zwei Türmen abschloß. Dieser zweiten Bauperiode folgte 1347 eine Dritte. Graf Adolf VI. und seine Gemahlin Agnes v. Cleve stifteten eine täglich zu lesende Messe am Blasiusaltar für das Seelenheil der in der Schlacht bei Lüttich Gefallenen. Im Zusammenhang damit ist das ganze Nordschiff, d. i. das de Pfarrhause zugekehrte, neu gebaut worden. Es zeigt nach seiner letzten Umänderung sieben große spitzbogige Fenster. In den Giebeleinschnitten stehen Barockpyramiden. Das Südschiff ist flachgedeckt und zeigt sehr niedrige Bauverhältnisse. Seine vollkomende Erneuerung geschah 1875. - Betreten wir nun das Innere der Kirche. Das Hauptschiff hat eine flache Decke. Durch Säulen abgetrennt schließen sich beiderseits Seitenschiffe an. Die Säulen ihrerseits sind durch Halbkreisbogen verbunden. Das Nordschiff erhielt 1653 ein Kreuzgewölbe. In seiner Apsis steht der Blasiusaltar, den ein sehr gutes Gemälde aus dem 17. Jahrhundert schückt. Das Südschiff führt zu Sakristei und dem Klostergebäude. In dem Winkel zwischen Südschiff und Klostergebäude lag der aus dem 12. Jahrhundert stammende Kreuzgang, der 1875 bei der Reparatur dieses Schiffes leider verschwand. In der südlichen Seitenapsis steht der Marianaltar. Am Beichtstuhl bemerkt man das Werk eines niederrheinischen Meisters aus der Zeit von 1550. Im oberen Teil sieht man Gottvater mit dem Leichnam Christi und vier Engel auf gelben Grunde. Unten kniet ein Ritter mit sieben Söhnen. Vor ihnen ist das Wappen derer v. Fürstenberg; gegenüber gewahrt man seine Gattin mit vier Töchtern. Vor ihnen prangt das Wappen derer v. Galen. In der Taufkapelle befindet sich ein aus dem 15. Jahrhundert stammendes Gemälde, das Christus am Kreuze darstellt. Es schmückte früher den alten Hauptaltar. Ein weiterer Kunstschatz im Südschiffe ist die Holzskulptur der Muttergottes mit Kind aus dem 16. Jahrhundert. Sie war jedenfalls das Marienbild aus dem niedergelegten Kapellchen zwischen Dünnwald und Stammheim, als deren Stifterin die Klosterfrau Druda gilt. An die frühere Kapelle erinnert bis heute der Bildstock der weiße Mönch.


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