Kunstfeld
| Die Bewohner und die übrigen Dünnwalder sprachen nur vom "Hoenpott". |
| Diesen Ortsteil erbauten die Fabrikanten Woellner und Mannes ab 1820 |
| mitten in der Heide, an den Rand des "Kningsbüggels". Neben einer Fabrik |
| für chemische Produkte wurden eine Reihe von Wohnhäusern für die Ar- |
| beiter errichtet. 1869 begann der Schwiegersohn von Woellner, Benjamin |
| Sternenberg, ohne gültige Konzession mit der Herstellung von Sprengstoff. |
| Am 25. Januar 1870 kam es zu einer schweren Explosion, bei der 15 Arbei- |
| ter getötet wurden. Das Fabrikgebäude flog in die Luft; nur der hohe Schorn- |
| stein blieb erhalten und stand noch zwei Jahrzehnte als Zeuge des Unglücks. |
| Die Wohnhäuser wurden erheblich beschädigt. In Dünnwald und an der St. |
| Nikolauskirche gingen viele Fensterscheiben zu Bruch. |
| Nach Abgabe der Produktion von Chemikalien erzeugte man Gewebe aus |
| feinen draht (Fliegendraht), die unter anderem als Gardinenersatz verwendet |
| wurden. 1871 gründete Louis Morsbach aus Solingen zusammen mit Rudolf |
| Scherz eine Feilenfabrik. Zwanzig Jahre später schied Scherz aus. Louis |
| und sein Bruder Ernst waren nun die Inhaber der an den Enden der Häuser- |
| zeilen gelegenen Feilenhauereien, von denen die eine bis zum Beginn der |
| Weltwirtschaftskrise Ende der 20er Jahre produzierte. |
| In den Fachwerkhäusern klapperten über Jahrzehnte viele Webstühle für |
| die Mülheimer Textielfabriken. |
| Otto Morsbach, ein Sohn von Louis, erhielt 1894 die Konzession für eine |
| "Schenkwirtschaft", die später von der Stieftochter Käthe Hoff, "däm |
| Schmitz ´ Kättche", übernommen wurde (gest. 1967). |
| Die Kunstfelder Straße hieß noch bis in unser Jahrhundert offiziell Schlebu- |
| scher Haidweg; die Dünnwalder sprachen vom "Quiels Jässje" (nach dem |
| Gasthof Quirl, dem späteren Jägerhof Melzer). |
| Quelle: |
| Das alte Dünnwald in Bildern |
| Vom bergischen Dorf zum Vorort von Köln |
| Herausgegeben von |
| Karl E. Quirl und Hermann Grün |
| 1990 |