Um die Jahrhundertwende gründete die
Dünnwalder Jugend die Gemeinschaft der
"Dünnwalder Pfingstjungen". Diese
zogen am Pfingstsamstag durch den Ort zu den
umliegenden Bauernhöfen, um den Leuten ein
Ständchen zu bringen und "Frohe
Pfingsttage" zu wünschen. Dafür belohnt
wurden sie mit allerlei Essbarem und Trinkbarem,
manchmal gab es auch etwas Geld. 10 bis 12
Stunden dauerte oft das Pfingstsingen, so wurde
manche Spende schon auf den langen Wegen
verbraucht. Die Geldspenden erhielt das
Dünnwalder Kloster der Vincenzienerrinnen (bis
Ende der sechziger Jahre auf der Berliner
Straße), die es an Bedürftige verteilte.
1931 wurde die Tradition des Pfingstsingens vom
dem Spielmannzug der Freiwilligen Feuerwehr
Dünnwald fortgesetzt. In diesem Jahr gab auch
erstmals der bekannte Dünnwalder und
Feuerwehrmann Josef Fink seinen Einstand und zog,
begleitet vom Musikzug, von Dünnwald über
Nittum, Schildgen und Heidgen zurück nach
Dünnwald. Diese Strecke überlebte das
Gespendete nicht. Restlos alles fiel den
hungrigen und durstigen Musikern und Sänger zum
Opfer.
Nach den Kriegsjahren, erstmals 1949 zogen die
Sänger wieder durch den Ort. Anlaß war ein
Heimatabend der Gesellschaft "Alte
Dünnwalder", auf dem viele alte Lieder
gesungen wurden, unter anderem auch das
Pfingstlied. Johann Müller als Präsident der
Karnevalsgesellschaft "Fidele Jonge"
entschloß sich, das Pfingstsingen wieder
aufleben zu lassen. So waren die Pfingstjungen
wieder zusammen, die das alte Pfingstlied neu
erklingen ließen:
Hück kumme all die
Pengsjunge
die han dies Johr noch nit jesunge
Oh jeft uns doch e Pengsei
dat schlommer in de Pann entzwei
Oh jot ens doch in de Hühnerstall
do lijje de Eier üfferall
dat schwazze Höhnsche hät jelaht
hät et Stäzje krumm jemaht
Oh fass ens in et Eierfaas
da kritt ihr och de Häng nit naas
Oh jefft uns doch nen Hippebock
do springe mer allemohle drop
Oh jeft uns doch ne Hippekies
do mache mer och de Lück jet wies
Oh jeft uns doch ne Strungtabak
do bliev uns och dr Büggel strack
Oh Herr schmieß uns jet Jeld eraff
suns falle mr noch vum Jlauben aff
Wult ihr uns dann nit hüre
mr stonn für ürre Düre
Künnt ihr dann janix messe
mr stonn op üre Meste
Lot uns nit su lang he stonn
mr müsse noch nom Hoonpott jonn
Refrain:
Rosen und drei Blümelein,
ei du wackeres Mägdelein
Die Strophen ließen sich noch lange
fortsetzen.Die Kunst des Vorsängers besteht
darin, spontan auf die jeweilige Situation oder
Person die passende Strophe zu bringen. Je
treffender dies gelingt, umso überraschter der
Spender. Und natürlich die Spende!
Anfang der sechziger Jahre übernahm die
Gesellschaft "Ahl Kess" (auch
"Kisteclub" genannt), die Tradition des
Pfingstsingens. Anders als in den Jahren zuvor
wurden die Sach- und Geldspenden nun direkt an
arme und bedürftige Bürger des Ortes verteilt.
Das Pfingstlied erhielt eine zusätzliche
Strophe:
Mir dunn uns noch bedanke
es alles für ärm Lück un Kranke
1985 übernahmen zwölf sangesfreudige Männer
des Pfarr-Cäcilien-Vereins von 1902, nach
20jähriger Pause, diesen schönen Brauch.
Natürlich durfte dabei der schon damals
beteiligte Vorsänger Josef Fink nicht fehlen.
"Jank met denne Junge" war der Rat von
Frau Paula, als Karl-Heinz Charles und Michael
Jansen an die Tür klopften und anfragten, ob
denn der Jupp wieder dabei wäre. Und Josef Fink
war dabei!
So freuen sich jedes Jahr die Dünnwalder auf
die Pfingstjungen. Immer gut gelaunt tragen sie
die alten Lieder und Texte vor. Erfreuen auch Sie
sich dieser alten Tradition und achten Sie am
Pfingstsamstag auf die "Dünnwalder
Pfingstjungen".
Text von Manfred Sistig
|