| Die Berliner Straße |
| Früher hieß sie Wermelskircher Straße. |
| Als einzige der alten Dorfstraßen wies sie schon bei der ersten Katasterauf- |
| nahme von 1826 eine einigermaßen geschlossene Bebauung vom Ritter bis |
| zur Kunstfelder Straße auf der westlichen und von der Leuchterstraße bis |
| zum Mauspfad auf der östlichen Seite auf. Dreiviertel der Dünnwalder Häu- |
| ser befanden sich in diesem Bereich. Es ist eine sehr alte Straße, die 1756 |
| zum ersten Mal zwischen Mülheim und Schlebusch ausgebaut und in der |
| Franzosenzeit nochmals verbessert wurde. Dabei hob man das Niveau der |
| Straßendecke jedesmal deutlich an. Bei vielen der alten Fachwerkhäuser lag |
| dadurch der Hauseingang bis zu einem halben Meter tiefer als die Straße. So |
| konnte man unterscheiden, ob ein Haus bereits vor 1756 oder später erbaut |
| wurde. |
| Die Bewohner der tiefer liegenden Häuser mußten sich etwas einfallen las- |
| sen, um nicht bei starken Regen im Hause nasse Füße zu bekommen. Um |
| 1914 wurde die Straße asphaltiert. |
| Hier an der Berliner Straße wurde eigentlich immer gebaut. Viele der alten |
| Fachwerkhäuser brach man schon vor der Jahrhundertwende ab und ersetzte |
| sie durch Neubauten; andere wurden aufgestockt, vergrößert oder verändert. |
| Die alten Dünnwalder sprachen nie von der Berliner Straße, sondern nur |
| vom "Dorf". Wenn jemand von der Aue oder vom Mauspfad zur Berliner |
| Straße mußte, sagte er zu Hause: "ech jonn en et Dorf". Man unterschied |
| noch in "Onger- und Ovverdorf". Unterdorf war der Teil vom Ritter bis |
| zum Mutzbach, Oberdorf vom Mutzbach bis Ortsausgang Richtung Schle- |
| busch. |
| Die Leuchterstraße |
| hieß ursprünglich Leuchterweg. Er führte zum Leuchterbruch; in diesem |
| Sumpfgebiet leuchteten in der Dunkelheit die verfaulten Baumstümpfe. |
| Die Bebauung war noch um die Jahrhundertwende sehr spärlich. In unmit- |
| telbarer Nähe zur Berliner Straße standen auf der Nordseite einige kleine |
| Häuser, und die nächsten befanden sich dann schon südlich hinter dem Mutz- |
| bach. Im oberen Teil standen wieder einige kleine Fachwerkhäuser; die |
| zweigeschossigen Ziegelbauten wurden zwischen 1900 und 1914 errichtet. |
| In den 20er und 30er Jahren worde der südliche Teil der Staße vom Zeis- |
| buschweg bis zum Mutzbach mit Häusern im "Landhausstil" bebaut-- für |
| damalige Zeit ungewöhnlich und exclusiv. |
| Die Bauten auf der Nordseite der Straße bis zum Mauspfad entstanden in den |
| 50er bis 70er Jahren. Im südlichen Teilstück hinter dem Mauspfad wurden |
| viele der alten Häuser in den beiden letzten Jahrzehnten abgebrochen und |
| damit die Straße erheblich verbreiter. Inzwischen stehen dort Neibauten. |
| Der Teil der Leuchterstraße jenseits der Berliner Straße in Richtung Über- |
| Führung der Bundesbahn hieß früher "Tillmannsjass" nach der Familie |
| Tillmann, die die Schmide an der Ecke besaß. Noch früher wurde sie als |
| "schwatze Wäg" bezeichnet. |
| Die Amselstraße |
| Im Volksmund hieß sie "Mäeljass"; allerdings awr damit nur das Stück zwi- |
| schen Leuchter- und von-Diergardt-Straße gemeint. |
| Entlang des Weges wuchs eine dichte Hecke, in der die "Mäele" (Amseln) |
| nisteten. Der Teil zwischen von-Diergardt-Straße und Odenthaler Straße |
| hieß "Hippejass"; hier hatte jedes Haus einen Ziegenstall. Nach Franz Peter |
| Kürten wohnten hier ein paar "Böckmöhne" (Möhn = alte Frau). Sie hielten |
| "Sprengböck", zu denen die Dorfbewohner die weiblichen Tiere führten. |
| Die Bebauung war bis zum Beginn des ersten Weltkrieges spärlich. Aus- |
| gehend von der Leuchterstraße standen auf der linken Seite bis zur von- |
| Diergardt-Straße einige zweigeschossige Häuser. Bis zur Errichtung der |
| evangelischen Tersteegen-Kirche 1937 war die rechte Seite unbebaut. Im |
| Bereich "Hippejass" gab es drei kleine Häuser schon vor der Jahrhundert- |
| wende; danach kamen bis 1914 einige zweigeschossige Häuser auf der |
| Westseite dazu. |
| Von der Amselstraße führten noch bis in die fünfziger Jahre viele " Pädd- |
| che" zur Beliner Straße. |
| Die von-Diergardt-Straße |
| Der Ausbau erfolgte 1900, nachdem ein Jahr zuvor ein Fachwerkhaus an der |
| Berliner Straße abgebrochen wurde, das an der Stellen der heutigen Ein- |
| mündung stand. Bis dahin gab es hier nur einen schmalen Pfad bis zum |
| "Heedeberg" (Auf der Aue) "et Pecks Päddche", benannt nach dem Eigen- |
| tümer dieses Hauses. Eine Reihe zweigeschossiger Ziegelbauten entstand |
| zwischen 1900 und 1914 auf der Nordseite, wohingegen die andere Seite |
| unbebaut blieb. |
| 1927/28 entstand das Jogendheim. In den 30er Jahren wurden dann noch |
| einige Baulücken geschlossen. Die meisten Häuser auf der Südseite wurden |
| nach 1959 errichtet. Der Straßenname erinnert an die Freiherren von Dier- |
| gardt auf Schloß Morsbroich, die 1856 mit dem Kauf des Klosterhofes auch |
| verschiedenen Grundbesitz im Dorf erwarben. |
| Auf der Aue |
| Auf alten und sogar auf neueren Landkarten erscheint die Aue als separater |
| Ortsteil, obwohl sie nur aus wenigen, größenteils sehr alten Häusern be- |
| stand. Natürlich gehörte sie immer zum Dorf. Hinter der Aue zog sich bis |
| zum Lohnskotten die Dorfheide hin, die dann später von der Odenthaler |
| Straße durchschnitten wurde. |
| Die Dorfheidestraße |
| Wie die übrigen Dünnwalder straßen -- mit Ausnahme der Berliner Straße |
| -- war sie eigentlich eine Gasse; sie begann an der Amselstraße (Teil Hippe- |
| jass), überquerte den Weg "Auf der Aue" und endete auf dem Mauspfad "an |
| de Kürtens Eck". Hierbegann die Dorfheide, von der sie ihren Namen hat. |
| Einige der jetzt noch vorhandenen kleinen Häuser standen bereits vor 1863. |
| Den obereb rechten Teil vor der Aue nannte man "en de Kaseern", wahr- |
| scheinlich wegen der geschlossenen Bebauung, die um diese Zeit in Dünn- |
| wald ungewöhnlich war (Jahrhundertwende). |
| Die Odenthaler Straße |
| Ursprünglisch hieß sie "Jahnjass" nach einem "Jahn" (Johann) Kürten, dem |
| der Bauernhof an der Ecke Berliner Straße gehörte (heute Tankstelle |
| Clemens). Das zum Hof gehörige Grundstück reichte bis an "de Kuhl", Oden- |
| thaler Straße 35. Das alte Huas brannte 1876 ab, wahrscheinlich wegen |
| Brandstiftung durch "Bärmkröffer" (Landstreicher, so genannt, weil sie zum |
| schlafen in einen Strohbarm krochen), 1852 wurde der Ausbau der Straße |
| von der Bürgermeisterei Merheim, zu der auch Dünnwald gehörte, und den |
| Bürgermeistereien Bergisch Gladbach und Odenthal gemeinsam beschlossen. |
| Der preußische Staat zahlte einen Zuschuß von 6000 Talern pro Meile. Sie |
| wurde etwa 1857 fertig, hieß aber zunächst Dabringhauser Straße und erhielt |
| erst später ihren heutigen Namen. |
| Einige Häuser im unteren Bereich und auch einzelne östlich des Mauspfades |
| entstanden bereits vor der Jahrhundertwende, die meisten davon eingeschos- |
| sige Ziegelbauten. Bis zum Beginn des ersten Weltkrieges folgten die für die |
| damalige Zeit typischen zweigeschossigen Bauten, und in den 30er Jahren |
| wurden noch einige Baulücken geschlossen. |
| Ein seinerzeit beachtliches Großobjekt war die zwischen 1921 und 1929 ent- |
| standene Siedlung im obren Teil der Straße, hinter Reinholdsberg und |
| Wirtskamp. Sie wurde unter der Trägerschaft der Kriegerheimstätten-Bau- |
| genossenschaft "Reichsbund" erbaut. |
| Der letzte Teil der Straße auf unserem Stadtgebiet führt durch die Hardt; sie |
| kam erst 1820 zu Dünnwald. |
| Der Odenthaler Straße entlang wurde 1881 die erste Telefonleitung errichtet, |
| die Dünnwald mit Paffrath und Bergisch Gladbach verband. |
| Im Wald hinter der Siedlung nördlich der Straße liegen etwa 100 Hügelgrä- |
| ber aus vorchristlicher Zeit, von denen in den Jahren 1872 und 1893 eine |
| Anzahl geöffnet wurden. |
| Der Mauspfad |
| Er gehört zu den ältesten Verkehrswegen des Rheinlandes und bestand |
| schon in vor-römischer Zeit. Die Herkunft des Namen läßt verschiedene |
| Deutungen zu, von denen zwei die wahrscheinlichsten sind: aus "muta" |
| wurde Maut- und später Mauspfad; ads Wort Maut ist in den Alpenländern |
| heute noch gebräuchlich und steht für eine Gebühr, Abgabe usw. Danach |
| wäre der Mauspfad ein alter Zollwg gewesen. Nach Peter Richerzhagen ist |
| es auch denkbar, daß sich "maus" aus "musch", "mutt" entwickelt hat, was |
| soviel wie Morast oder Sumpf bedeutet. Der Mauspfad ist somit der Weg, |
| der an wasserreichen Niederungen, der Niederterrasse, entlangführt. |
| Rheinarme reichten in der Vorzeit bis in unmittelbare Nähe. |
| Das Stück Mauspfad im nördlichen Bereich -- angrenzend an den Lohnskot- |
| ten -- hieß und heißt bei den alten Dünnwaldern "am Braan". Hier standen |
| vor der Jahrhundertwende nur wenige kleine Häuser. Bis 1914 kamen an |
| verschiedenen Stellen zweigeschossige Ziegelbauten hinzu. Auf der Gesamt- |
| strecke des Dünnwalder Mauspfads gab es aber noch nach 1950 große Bau- |
| lücken. |
| Der Mauspfad führte in Richtung Dellbrück über den Kratzenberg, einen |
| breiten Hügel. In den alten Katasterplänen hatte er noch seinen richtigen |
| Namen. Bei irgendeiner Gelegenheit vergaß man wohl bei der zuständigen |
| Behörde ein "r", und seitdem heißt er fälschlicherweise "Katzenberg". |
| An der Walkmühle |
| Bei der Eingemeindung 1914 hieß sie noch Mühlenstraße, vorher Mühlen- |
| weg. Die Umbenennung 1915 war notwendig, weil es im Kölner Stadtgebiet |
| schon mehrere Mühlenstraßen gab. Ihren Namen hatte sie von der 1892 ab- |
| gebrochenen Walkmühle. Diese bestand nicht nur aus dem auf der Zeichnung |
| dargestellten Mühlengebäude, sondern aus einer geschlossenen Hofanlage |
| mit Stallungen und Scheune. |
| Der Mühlenweg wurde -- nach der Berliner- und der Odenthaler Straße-- |
| 1857 als dritte Straße in Dünnwald ausgebaut. |
| Vor der Jahrhundertwende gab es außer der Mühle nur wenige kleine Häuser |
| im mittleren und oberen Bereich der Straße, genannt "en de Hött". In früheren |
| Jahrhunderten gehörte dieser Ortsteil kirchenrechtlich zur Pfarre Paffrath. |
| 1860 stellten die dort wohnenden sieben Familien beim erzbischöflichen |
| Generalvikariat in Köln den Antrag auf Umpfarrung, dem Anfang 1873 ent- |
| sprochen wurde. Dafür wurde die bis dahin zur Pfarre Dünnwald gehörende |
| Diepeschrather Mühle der Pfarre Paffrath zugeschlagen. |
| Quelle: |
| Das alte Dünnwald in Bildern |
| Vom bergischen Dorf zum Vorort von Köln |
| Herausgegeben von |
| Karl E. Quirl und Hermann Grün |
| 1990 |