Vereinsleben und Feste Bis zur Mitte des vorigen Jahrhunderts kante man in unsererer Gegend außer einigen Schützenbruderschaften mit z. T. langer Tradition keine Vereine. selbstverständlich gad es gesellige Zusamenkünfte und Zeit- vertreib in allen möglichen Formen. Die Tagesarbeit in Feld , Garten, Wald und Werkstatt war lang und hart. Die Bauern und Handwerker rauchten am Feierabend ihre Pfeifen; man- che trafen sich noch mit den Nachbarn, um ein Stündchen zu plaudern. Man ging früh zu Bett, denn der nächste Tag brachte wieder schwere körperliche Anstrengung. An Sonn- und Feiertagen jedoch veränderte sich das eintönige Leben. Die Dünnwalder gingen nach den Hochamt in der St. Nikolauskirche zum Kegel- und Kartenspiel in die Schenke im Förstchen. Es gab Unent- wegte , die bis zum Läuten der Abendglocken blieben. Kegelklubs existierten noch nicht. Man fand sich zusammen und spielte Bier- oder Jägerpartie, auch wohl um Geld beim Pöttchenspiel. Die Regeln dieser Partien sind nicht mehr bekannt. Um 1840 gab es schon mehrere Kegel- bahnen im Dorf, so bei Funk (Berliner Straße 854), bei Gladbach (heute Laternchen Berliner Straße 855), bei Odenthal (?) und bei Berger (Berliner Straße Ecke Odenthaler Straße, heute EichenApotheke), letztere unter freien Himmel entlang der Odenthaler Straße. Es waren einfache Bohlenbahnen, nicht vergleichbar mit den heutigen Scheren- und Bowlingbahnen. Ein weit verbreitetes Vergnügen der Männer awr auch das Kartenspiel. Solo, Tupen und Sibbeschröm waren beliebt. Skat hier noch unbekannt. Das bevorzugte Getränk der Männer war Schnaps, hauptsächlich Korn. Die Frauen tranken Anislikör; die Namenstage wurden ausgiebig mit diesem Getränk gefeiert. Zu den wenigen Dorffesten erschien der fahrende Sänger und Spielmann und sang zur Laute die alten Sagen und Werisen; unter der Dorflinde spielte er zum Tanz auf, besonders oft zu der beliebten Quadrille. Die ersten Vereine in unserer Gegend waren fast ausnahmslos Gesangs- vereine, die besonders den Kirchengesang pflegten. Hier bei uns besorgte dies allein der Küster Liebeler, bis 1866 Jakob Schwellenbach als Lehrer nach Dünnwald kam. Mit dem Amt des Organisten übernahm er auch das Einstudieren von Messen und Chorälen, die dann an hohen christlichen Feiertagen von mehr oder weniger stimmmbegabten Herren in der kirche gesungen wurden. Der erste ausgebildete Lehrer an der Dünnwalder Schule am Holzweg ("ahl Scholl") war Daniel Bauer, der von 1829 bis 1874 unterrichtete (+1881). Er war Mitglied des 1842 von Vincenz von Zuccalmaglio (Montanus) offiziell gegründeten MGV Liederkranz Bergisch Gladbach, der schon ab 1832 in Haus Blegge in Paffrath den Chorgesang pfegte. Zu den Samstagabends stattfindenden Proben und selbstvertsändlich auch zu den Konzerten ging er zu Fuß hin und zurück! 1859 gründete der damalige Pfarrer Peter Schieren mit Angehörigen der Kirchengemeinde den St. Nikolaus-Krankenverein. Jedes Mitglied zahlte regelmäßig seinen bescheidenen Beitrag und erhielt dafür in Krankheitsfalle für sich und die Familienangehörigen finanzielle Unterstützung. Gesetzliche Krankenversicherungen gab es noch nicht, und so bewahrte diese "Ortskrankenkasse" oft vor der schlimmsten Not. Am dritten Sonntag nach Kirmes feierte der Verein alljährlich sein Stiftungsfest, und über ahrzehnte hinweg war an diesem Tag ganz Dünnwald auf den Beinen. Nach den Kriegen gegen Dänemark 1864 und gegen Östererreich und seine Verbündeten 1866 gründeten die heimgekehrten Soldaten den kameradschaftlichen Kriegerverein, der auch die beiden Eichen am Haupteingang des Friedhofs pflanzte (1866 und 1871). Ender der 80er Jahre gründete Lehrer Becker aus Odenthal, der hier im Ruhestand lebte, den Männergesangsverein "Loreley". 1893 entstand der MGV "Liederkranz", der 1902 in den neu gegründeten Cäcilienverein aufging. In den beiden Jahrzehnten vor und nach der Jahrhundertwende gab es dann eine regelrechte Gründungsschwemme. Nach Meinung des Chronisten Albert Höller hatte man schließlich zuviel des Guten, was dazu führte, daß manchen Vereine schon nach wenigen Jahren "die Luft aisging". Immerhin spielte das Vereinsleben wirtschaftlich eine bedeutende Rolle, und so kam es dann auch zum Bau von großen Sälen, z.B. Maikammer/Kürten, Höller, Platz/Bahn und Altgassen an der Berliner Straße und Paffrath/Sürth an der Walkmühle. Jeder Verein feierte mehrere Feste im Jahr, z.B. Stiftungsfest, Karnevalsbälle, Frühlings- und Herbstfest, Theateraufführungen, Konzerte usw., und fast alle waren gut besucht. Nicht selten waren die Männer damals Mitglied in mehreren Vereinen und Klubs. Wenn man bedenkt, daß es weder Kino noch fernsehen gab und Urlaubsreisen ein Fremdwort war, wundert man sich nicht über den regen Zuspruch des Publikums. Viele der damaligen Vereine sind längst vergessen, z.T. ohne eigenes Verschulden. Ein Beispiel hierfür ist der Turnverein "Germania" vin 1894, der 1906 im Arbeiter-Turnverein aufging. Die Mehrzahl der "Turngenossen", wie sie sich nannten, tendierte zu SPD oder war sogar eingeschriebenes Parteimitglied. Nach der Machtübernahme 1933 durch die Nationalsozialisten wurde der Verein aufgelöst. Von den heute existierenden Vereine entstanden 7 innerhalb von 10 Jahren: der Ausflugsverein "Ahl Kess", gegr. 1896 Der vorerwähnte Arbeiterurnverein und der Kunstradsport-Verein wurden ebenfalls 1906 gegründet; dazu kamen noch einige andere, von denen wir z.T. nur die Namen kennen, wie die Karnevalsgesellschaften "De löstige Bröder" und "Narrenbund". Wieviele Klubs mögen außerdem noch existiert haben? Und das alles bei einer Einwohnerzahl zwischen 2.500 (1895) und 3.500 (1905)! In der Zeit zwischen den Weltkriegen entstanden noch der MGV 1919, der Dünnwalder Sportclub DSC 1929 und die Große Karnevalsgesellschaft "Fidele Jonge" 1930. Das Fest mit der größten Publikumsbeteiligung war zweifellos, die Kirmes, die weit über die Ortsgrenzen hinaus Leute anzog. In den 20er und 30er Jahren wurden Kirmessonntag zusätzliche Staßenbahnzüge eingesetzt, um besonders Gäste aus Köln, Deutz und Mülheim nach Dünnwald zu befördern. Aus den Nachbarorten rund um unser Dorf kamen bei gutem Wetter Hunderte von Besuchern, die meisten zu Fuß. Die älteren Dünnwalder in den Straßen nahe des Festplatzes trugen Stühle vor ihre Häuser und besahen sich vom Bürgersteig aus das rege Treiben. Alle Gaststätten waren brechend voll. Die Stellfläche auf dem Kirmesplatz reichte für die vielen Stände und Karussels nicht aus; eine reihe von Buden stand noch an der untere Odenthaler Straße und beiderseits der Berliner Straße von der Nordschule und dem Restaurant Clemens bis zum Ortsausgang Richtung Schlebusch. Am Kirmesmontag gab es den "berühmten" Frühschoppen für die Frauen. Das Spezialgetränk hieß "half Schobbe met Zucker", also 1/8 Liter Schnaps, mit Zucker gesüßt. Die Wirkung nach 2-3 Gläsern war sensationell! Die lobenswerten Bemühungen Dünnwalder Vereine sowie eines 1988 eigens gegründeten Fördervereins, unserer Kirmes wieder zu alten Glanz zu verhelfen, habeb bisher noch nicht zu dem Erfolgt geführte, den wir alle uns wünschen. Daß sich der alte Brauch des "Peijaß"- Holens und "Peijaß"- Begräbnis überhaupt erhalten hat, verdanken wir vor allem Josef Fink. Auch die "Pengsjonge" sind ohne ihn schwer vorstellbar. Dagegen ist das Schützenfest, das vor dem Kriege im Schatten der Kirmes stand, ein wirkliches Volksfest geworden. Beim königsschießen am Montagabend trifft man am (meistens überfüllten) Schießstand oft Freunde und bekannte, die man vielleicht schon viele Jahre nicht mehr gesehen hat. Der nicht unbeträchtliche Konsum von "Zielwasser" beschränkt sich dabei keineswegs allein auf Schützenbrüder! Im Gegensatz zu früher haben es vereine heute schwer, sich gegen das riesige Unterhaltungsangebot zu behaupten. Das Bemühen um attraktive Festprogramme verdient alle Anerkennung, man muß Vorständen und Mitgliedern dankbar sein, daß sie sich auch durch gelegendlich geringe Resonanz beim Publikum nicht entmutigen ließen. Quelle: |